Wintersemester 2014/2015 4.2 Wahlpflichtbereich II - Alle Veranstaltungen sind nur 1x anrechenbar (4.1 oder 4.2)
Rituale
Dozent/in: Kiener, Wilma
Modul- bzw. Bereichsbeauftragte/r : Dozent Klaus Drescher, Prof. Dr. Behringer
Tag: Mi Zeit: 10.35-12.10 Raum: Typ: SU Std.: 2

Ziele: Ziel dieses Seminars ist es, über die klassische ethnologische Literatur die wichtigsten Denkansätze und Namen zur Ritualtheorie kennenzulernen und sie auf die eigene Beobachtung zu übertragen. Die Reflexion des eigenen Standpunktes, die Analyse von verschiedenen Ritualfunktionen- und kontexten, insbesondere dem der Globalisierung, ist die Voraussetzung zum Hauptthema des Seminars: der interkulturelle Vergleich und damit das interkulturelle Verständnis. Anhand von Ritualen lernen die Studierenden die kulturrelativistische, gesellschaftsanalytische, einfühlende, empirische und kreative Verstehensweise der Ethnologie kennen.

Inhalt: Rituale sind aus dem Alltag herausgehobene, regelhafte symbolische Handlungen (mittels Gesten, Worten, Kleidung, Bewegungen, Dingen, Bildern; an bestimmten Zeiten und/oder Orten) ohne die keine Gesellschaft, keine Kultur, kein Lebensweg auskommen kann. Wir alle kennen Rituale, sind darin Akteure, Zuschauer und manchmal Ritual-Verweigerer. Warum sollen sich Studierende der Sozialen Arbeit mit Ritualen und Ethnologie beschäftigen?
  • Weil Rituale eine eigene, weltweit ähnliche Dynamik besitzen, die individuelle und gesellschaftliche Grundbedürfnisse offenlegen.
  • Weil in Ritualen unterschwellige gesellschaftliche Konflikte ausgetragen werden, und sie so ein verdichtetes Bild der Gesellschaft abgeben.
  • Weil Rituale gerade in pluralistischen Gesellschaften eine große, oft umstrittene, Rolle spielen.
  • Weil Rituale im Prozeß der Migration kulturelle Identität schaffen.
  • Weil einerseits manche Rituale unseren eigenen Horizont übersteigen. Das heißt, Rituale fordern das fremdkulturelle Verstehen heraus und legen gleichzeitig einen Zugang zu anderen Kulturen und Denkweisen.
  • Weil andererseits das Studium heimatlicher Rituale zu einem besseren Verständnis des Vertrauten führt.
  • Und schließlich auch deshalb, weil in manchen Bereichen unserer Gesellschaft Rituale zur Bewältigung chaotischer Erlebnisse fehlen.

Lehr- und Lernform: angeleitetes Lernen, angeleitetes Selbststudium, entdeckende Lehrverfahren, exemplarisches Lernen und Üben, Selbststudium, Referate, Präsentationen, seminaristischer Unterricht, Fallarbeit

Literatur: Literatur:
Geertz, Clifford: Dichte Beschreibung. Frankfurt am Main 1983.
Gennep, Arnold van: Übergangsriten. Frankfurt am Main, 1986 (orig.1909).
Heidemann, Frank: Ethnologie. Eine Einführung. Göttingen 2011.
Lauser, Andrea u. Cordula Weissköppel (Hg.): Migration und religiöse Dynamik. Ethnologische Religionsforschung im transnationalen Kontext. Bielefeld 2008.
Turner, Victor: The Ritual Process. New York 1969.